Dhamma-Vortrag Upul Gamage

(Meditationslehrer, Sri Lanka)

@ Das Buddhistische Haus, Berlin-Fohnau
Feb.2009

 

 

Liebe Dhamma Freunde,

in diesem Retreat werden wir gemeinsam Meditation praktizieren, den Dhamma praktizieren.

Wenn wir irgendetwas über den Dhamma erfahren wollen, lesen wir in der Regel Bücher oder hören Vorträge oder Diskurse von verschiedenen Lehrern.

Wenn wir so mehr und mehr hören und lesen, bekommen wir den Eindruck oder kommen zu der Schlussfolgerung, nun den Dhamma zu kennen.
Wir glauben, der Dhamma ist irgendwo außerhalb. Das ist der Grund warum wir darüber hören und lesen wollen.

Sicher, Bücher können einiges über den Dhamma sagen, aber sie sind nicht der Dhamma. Der Dhamma ist darin nicht zu finden.

Es ist wie mit dem Lesen einer Landkarte. Wenn du eine Karte anschaust oder in einem Geographiebuch blätterst, dann kannst du Berge finden, Flüsse, Ozeane, Wüsten - alles.
Danach hast du vielleicht die Idee, dass du nun weißt, wo der Berg ist, wo die Flüsse sind und die Meere.
Du kannst es anderen zeigen oder Bücher darüber schreiben.

Aber in Wirklichkeit sind da keine Wüsten und Berge in den Büchern. Und genauso ist der Dhamma in keinen Büchern zu finden. Dhamma ist in deinem Herzen, in deinem Geist, in deinem Leben.

Meditation ist ein Weg, den Dhamma zu sehen, ein Weg, den Dhamma durch dich selbst zu erfahren, durch dein eigenes Leben.

Wenn Menschen nach Nillambe kommen oder zu einem der Meditationsprogramme, dann fragen sie nach Techniken, nach Meditationsmethoden und sie erwarten (von mir) ein Meditationsobjekt wie zum Beispiel das Beobachten einer Kerze, bestimmte Musik zu hören, auf Bilder oder Wolken zu schauen oder ähnliches.

Üblicherweise sage ich ihnen dann:" Es gibt kein Meditationsobjekt. Du selbst bist dein Meditationsobjekt und du bist dein eigenes Meditationszentrum. Und das ist noch nicht alles:
Du bist auch dein eigener Meditationsmeister."
Ich denke mir, dass sie sich über diese Sätze freuen, aber sie sind nicht glücklich mit meiner Antwort.
Sie möchten etwas von außen: Techniken, Plätze und Lehrer.

Aber es ist wirklich so: Wir sind unser eigenes Meditationsobjekt. Wir sind unser eigenes Versuchslabor. Wir selbst sind der „Wissenschaftler", der dieses spirituelle Experiment durchführt; genauer gesagt: unsere Körper und unser Geist.

Wir müssen über unseren Körper meditieren, wir müssen über unseren Geist meditieren, das ist alles. Darin liegt alles Wissen, alle Weisheit.
Und wo immer du auch bist, du kannst meditieren, denn Körper und Geist sind ja da.

Dies ist meine kurze Botschaft, (mein Statement)t, um die Diskussion einzuleiten.
Bitte fühlt euch herzlich eingeladen, Fragen zu stellen oder etwas Unklares zu diskutieren.

 

Diskussion

M: Als mein eigener Meditationsmeister, welche Art von Fehlern kann ich machen?

T: Nun, du musst nicht ganz spezielle Fehler extra dafür tun. :) Aber, selbst wenn du versuchst, gar keine Fehler zu machen - sie werden kommen. Viele Fehler.

Ich freue mich sehr über deine Frage, denn üblicherweise mögen wir unsere Fehler nicht so gerne. Die Fehler der anderen mögen wir auch nicht - wenn wir sie sehen, werden wir ärgerlich oder verurteilen sie.
Wenn wir wissen, dass wir etwas falsch gemacht haben, sind wir nicht glücklich darüber, wir empfinden Schuld.
Das heißt wir reagieren immer negativ auf unsere Fehler und auf die Fehler der anderen.
Warum? Was ist der Grund dafür?
Es kommt, weil wir von uns und von anderen absolut perfektes Verhalten erwarten. Wir halten ein perfektes Modell aufrecht und was immer wir oder andere tun, wir versuchen es diesem Modell anzupassen.
Wenn es nicht mit unserem Modell übereinstimmt, reagieren wir.

Wir erforschen nicht unsere gegenwärtige Realität. Wir akzeptieren nicht unsere derzeitigen Begrenzungen.
Als erstes müssen wir uns so akzeptieren, wie wir nun mal gerade sind. Erst danach kann man die eigenen Grenzen ausweiten.
Das Passwort, um die eigenen Beschränkungen auszuweiten, ist verborgen in unseren Fehlern.
Daher sollten wir unsere Fehler keinesfalls ignorieren. Fehler sind kostbare Schätze.
Das heißt allerdings nicht, dass wir sie ständig wiederholen sollen.

Aber - du kannst über sie nachsinnen, sie erforschen: "Warum habe ich so etwas getan?"
Durch ein solches erforschen, experimentieren, kommst du zu Weisheit und Wissen.

Daher hat jeder Fehler eine Botschaft. Fehler können deine Lehrer sein.

M: Fehler oder ganze Kategorien von Fehlern haben ihre eigene Mission - kann ich manche in der Zukunft vermeiden in dem ich ihren Mechanismus eliminiere? Funktionieren alle Fehler auf die gleiche Weise?

T: Es kann passieren, dass man nur auf der intellektuellen Ebene bleibt. Ich kenne zum Beispiel Menschen, die sagen:" Wir sind ja alle nur Menschen", Durch diese Aussage versuchen sie, ihre Fehler zu verallgemeinern.

Besser ist es klar zu erkennen, wie es geschehen konnte. Es passiert nicht automatisch. Es gibt interne und externe Faktoren für jeden Fehler.
Vielleicht können wir nicht alle Faktoren sehen, dazu reicht unser Wissen nicht aus, aber wir können versuchen, so viele wie möglich zu erkennen.
Wenn du also einige dieser inneren und äußerlichen Faktoren, die zu dem Fehler geführt haben, herausfinden kannst, dann kannst du den Fehler vermeiden, indem du einfach einige Faktoren beseitigst.

M: Meist ist es doch ein Mangel an Achtsamkeit oder? - Wäre es nicht besser, alles in heilsames oder unheilsames Tun zu unterteilen? Was wäre die Empfehlung. Wäre das nicht ausreichend?

T: Ja, Achtsamkeit ist ein wichtiges Element für dieses Thema, das ist wahr.
Wenn man blindlings läuft, dann macht man denselben Fehler immer und immer wieder. Also - Augen aufmachen! Das ist der erste Schritt.
Dann weißt du, was du gerade tust. Aber das ist nicht genug. Du brauchst ein bisschen Weisheit. Ohne sie weißt du nicht was du tun sollst. Du erkennst zwar, was du gerade tust, aber nicht was zu tun ist - was das Beste wäre.

Um diese Weisheit zu entwickeln, müssen wir zu unserem Fehler zurückkehren, müssen ihn analysieren, erforschen und daraus lernen.

Also, erster Schritt ist Achtsamkeit, dann Weisheit und der dritte Schritt ist: Du musst dich bemühen. Das ist sehr wichtig! Ich kenne Menschen, die sehr achtsam sind, sehr viel wissen, aber sich nicht im Geringsten um positive Veränderung bemühen.

Du kannst dich selbst entschlossener machen, indem du dir das Resultat des Fehlers oder jener Gewohnheit noch mal vor Augen hältst. Das ist eine Möglichkeit, um sich selbst zu motivieren. Das Nachdenken über gute und schlechte Ergebnisse.

Die andere wichtige Möglichkeit ist es, spirituelle Freunde zu haben. Des ist ein bedeutender Faktor um Veränderungsenergie aufzubringen.

Und als letzter Punkt: Von Zeit zu Zeit ist es gut, deine spirituelle Praxis zu überprüfen. Auch dies ist sehr wichtig.

M: Der größte Gewinn, den man aus der Meditation ziehen kann, ist die geistige Befreiung. Wenn dies nur jemand zeigen könnte. Wenn man mit Meditierenden zu tun hat - und man könnte ihnen zeigen, wie viel Gewinn sie daraus ziehen können, sie würden sofort und viel meditieren. Aber irgendjemand müsste es ihnen zeigen.

T: Ja, ich denke, es gibt da zwei Arten von Gewinn, die wir durch unser Leben erhalten oder durch unser Leben erfahren können.

Der erste Gewinn ist ein „Instantgewinn". Das ist auch die Art von Nutzen, zu der wir uns am meisten hingezogen fühlen.
Wir leben in einer „Instant" Welt. Alles ist „instant" (sofort, tafelfertig): Instant-Gerichte, „Instant-Ehefrauen", „Instant-Ehemänner" - alles.

Wenn man sich ausschließlich an diesem Instant Geschmack ausrichtet, dann verliert man Geduld, die Qualität von „warten können".

Da ist ein wunderbarer Wohlgeschmack in Meditation, im Dhamma - aber es ist kein "Instant-Geschmack." Dieser Geschmack braucht seine Zeit.

Du musst schon eine Weile meditieren, um den wirklichen Geschmack deines Lebens herauszufinden.

Wenn ich mich so umschaue: hier in dieser Bibliothek gibt es so viele schöne Bücher. Die Einbände sind wunderschön und farbenprächtig, mit schönen Bildern.
Man muss sich nicht anstrengen um die Schönheit zu sehen. Ich kenne Menschen, die sich Bücher hauptsächlich wegen der schönen Einbände kaufen.

Aber wenn sie anfangen zu lesen, ist alles nicht mehr so leicht. Keine großen Buchstaben mehr und es braucht eine lange Zeit, um ein Buch wirklich zu lesen.
Wenn man aber den größtmöglichen Nutzen aus einem Buch ziehen will, muss man es lesen.

So ist es auch mit der Meditation. Du musst es tun. Du musst über den bunten Einband hinausgehen - du musst dein Verlangen, deinen Wunsch nach dem bunten Einband aufgeben.

M: Am Anfang meiner Meditation hatte ich viele schreckliche Träume. Das ist nun vorüber
Aber ich habe Freunde, die auch mit Meditation beginnen wollen. Was war der Fehler? Was wäre der Vorschlag?

T: Genau genommen ist das kein Fehler. Es ist ein Resultat der Meditation - ein Gewinn der Meditation.
Wenn man beginnt zu meditieren, wird man sich seiner Träume bewusst. Zuvor hat man sie gar nicht wahrgenommen.
Menschen leben oft sehr achtlos. Sie tun alles unbewusst, automatisch und den größten Teil ihrer Zeit wissen sie nicht, was um sie herum geschieht und was sie selber tun - selbst am Tag.
Wie können sie dann wissen, was in der Nacht geschieht während sie schlafen.

Das ist eine erste Erklärung. Das Zweite ist - ein sehr wichtiger Teil, den wir vielleicht besser zu einem anderen Zeitpunkt diskutieren können, da er ein bisschen mehr Zeit braucht? - aber egal.

Wir selbst erschaffen unsere Träume. Wir produzieren unsere Träume. Vielleicht können wir in den nächsten Tagen noch mal ausführlich über Träume sprechen. Träume sind ein gutes Meditationsobjekt.

Ich möchte aber doch eine kurze Antwort auf deine Frage geben.

Üblicherweise werten wir unsere Gefühle. Wir sagen, dies ist gut, dies ist nicht gut. Wenn ungute Gefühle aufsteigen, die so genannten „negativen" Emotionen, dann versuchen wir sie zu unterdrücken, sie wegzudrängen.
Bei diesem Versuch, sie zu verdrängen, verschwinden sie aber nicht. Sie verbleiben in unserem Unterbewusstsein.

Es ist wie beim Kehren, wenn wir den ganzen Staub in den Mülleimer tun - leider benutzen wir unseren Geist als einen Mülleimer; voll mit Müll. Und wir benutzen starke Deckel, um den Eimer, den Müll abzudecken.
Du kannst es Unterbewusstsein nennen oder strenge Verurteilung sagen. Es sind nur Namen
Für diesen Deckel, für diese oberste Schicht.

Aber - ob du sie unterdrückst oder verdrängst, diese negativen Emotionen hören nicht auf zu existieren. Auf der unbewussten Ebene werden sie stärker und stärker.

Wenn du anfängst zu meditieren, lernst du, diese oberste Schicht, diesen Deckel, diese strenge Selbstverurteilung loszulassen. Wenn der bewusste Geist feiner und ruhiger wird, dann kommen die unbewussten Dinge zum Vorschein.
Sogar während der Meditationsperiode kann man solche inneren Geschichten oder Albträume erleben. Das geschieht ganz natürlich. Und es kann natürlich während der Nacht auch geschehen.
Sei froh darüber. (Ich denke, es war auch nur ein begrenzter Zeitraum zu Beginn...?)

Zwei Dinge die du tun kannst:
Das erste ist, einfach weitermachen mit der Meditation ohne zu denken, das seien besondere Schwierigkeiten oder gar ein Fehler.

Als Zweites: wenn deine Achtsamkeit stark genug ist, dann kannst du über diese Träume nachdenken, besonders über die Gefühle, die darin vorkamen oder die Menschen, die in den Träumen zu dir kamen; du kannst über sie nachdenken.
Dann, klar und bewusst, kannst du die Emotionen loswerden.

Dies passiert auch nicht jedem. Du musst dir also keine Sorgen machen, wenn du deinen Freunden die Meditation nahe bringst.

Wenn man dazu neigt, Ärger zu unterdrücken, zu kontrollieren und versucht, immer nett, unschuldig und liebenswürdig zu sein, dann kann es manchmal zu solchen Erlebnissen kommen.

Aber ich kenne Menschen, die ihren Ärger überhaupt nicht kontrollieren. Wenn der Ärger kommt, leben sie ihn einfach aus. Sie schlagen andere, sie tun, was immer ihnen entfällt.
Wenn sie dann anfangen zu meditieren haben sie keine Albträume nach der Meditation - ihr ganzes Leben ist ein einziger Albtraum.

Ärger ist nicht die Ursache - wie wir auf unseren Ärger reagieren ist der Grund für die Träume.

Wir können das Thema wegen der kurzen Zeit nicht völlig abschließen.

M: Ich kann spontan sehr ärgerlich werden, aber wenn ich schlafen gehe, kommt es nicht zurück. Ich schlafe einfach nur.

T: Wenn man auf Situationen immer ärgerlich reagiert, dann wird Ärger zur Gewohnheit.
Dann hat man keine Wahl mehr in seinem Verhalten.
Wenn dann eine Situation kommt, dann steigt Ärger auf. Der Ärger reagiert und agiert. Er wird stärker und mächtiger. Und man selbst wird schwächer und hilfloser.

Ob du Albträume hast oder nicht - es ist auf jeden Fall besser, den Ärger loszuwerden.


(es folgen Dankesworte des Moderators an Mr.Upul Gamage)

Ende des Dhamma Vortrags

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